Pushkar, heilige (und kommerzialisierte) Stadt in der Wüste

Pushkar ist eine alte, heilige Stadt mit einem See mitten in Indiens Wüstenstaat Rajasthan. Da die Stadt heilig ist, gibt es dort Dutzende Hindu-Tempel. Heilige Männer baden in den Ghats des Sees und führen Rituale durch. Kühe, die mit Blumen oder bunten Stoffen geschmückt sind, laufen frei auf den Straßen umher. Die Gesänge aus den Tempeln oder von religiösen Zeremonien hallen durch die Straßen. Die Stadt ist ein Traum für Vegetarier, aber ein Alptraum für alle die gern trinken: Alkohol, Fleisch und Eier sind im Stadtzentrum per Gesetz streng verboten. Wir genossen die heiligen, mystischen Aspekte der Stadt. Aber fast gleich nach unserer Ankunft in Pushkar konnten wir nicht umhin, uns zu fragen: Ist die Stadt ein heiliges oder kommerzielles Zentrum? Bis jetzt hatten wir auf dieser Reise in Indien noch keinen so touristischen Ort gesehen.

Gruppe indische Frauen in Pushkar
Gruppe indische Frauen in Pushkar
Da Kühe im Hinduismus heilig sind, findet man sie in Pushkar überall
Da Kühe im Hinduismus heilig sind, findet man sie in Pushkar überall

Ankunft in Pushkar

Als wir ankamen, waren wir von unserem Hotel positiv überrascht. Das Kanhaia Haveli, in einem alten palastartigen Haus, war die schönste und gleichzeitig eine der billigsten Unterkünfte (500 Rupien für ein Zimmer mit Bad / 6 Euro), in denen wir bisher in Indien übernachtet haben. Es gab sogar eine schöne und üppige Dachterrasse, von der aus wir fast die ganze Stadt und all ihre Tempel sehen konnten.

Lobby vom Kanhaia Haveli
Lobby vom Kanhaia Haveli
Chillen am Dach
Chillen am Dach
Ausblick vom Dach
Ausblick vom Dach

Wir waren ein wenig erschöpft wegen unserer überraschenden Bollywood-Schauspielkarriere, an der wir die letzten beiden langen Tage in Jaipur gearbeitet hatten. Deshalb waren wir froh darüber, dass es in Pushkar nicht so viele "Must-See" Attraktionen gab. Der Besuch einiger Tempel und des heiligen Sees schien vollkommen ausreichend.  

Besichtigung der Tempel

Wir beschlossen, den Brahmaji-Tempel zu besuchen, der offenbar der speziellste und beliebteste der Stadt ist. Er ist Brahma gewidmet. Man glaubt, dass dieser Hindu-Gott der Schöpfer des Universums ist, daher ist es ein wenig überraschend, dass es auf der Welt nur einige wenige ihm gewidmete Tempel gibt. Das Fotografieren im Inneren von Brahmas Tempel war strengstens verboten, aber wir können berichten, dass es sehr farbenfroh war.

Eingang vom Brahmaji Tempel
Eingang vom Brahmaji Tempel

Wir versuchten auch, den Rangji-Tempel zu besuchen, aber Ausländern war der Zutritt nicht gestattet. Aber allein die riesige, schöne, türkisfarbene Tür, die zum Innenhof des Tempels führt, ist schon sehenswert.

Das schöne Tor zum Rangji Tempel
Das schöne Tor zum Rangji Tempel
Der Tempel, den wir nicht betreten durften
Der Tempel, den wir nicht betreten durften

Die heiligen Rituale rund um den See

Abgesehen vom Besuch der Tempel versuchten wir, die heilige Seite der Stadt durch den Besuch der Ghats am See kennen zu lernen. Die Stadt ist kompakt, und der See liegt in der Mitte, so dass man dort irgendwann vorbeikommt, während man in Pushkar ist. 

Affen in einem der Ghats
Affen in einem der Ghats

2014 besuchten wir DIE heilige Stadt in Indien, Varanasi. Dort sind die Ghats am Ganga-Fluss mit Feuern übersät, in denen die Toten rituell verbrannt werden. Jeden Abend findet eine große Zeremonie statt. Wir hatten gehört, dass Pushkar ein wenig ähnlich sein würde. Deshalb waren wir völlig überrascht, wie friedlich und ruhig es rund um den See war. Tagsüber schienen die Ufer fast leer zu sein. Jeden Abend findet in Pushkar eine Zeremonie, Aarti, im Varah Ghat statt. Aber im Gegensatz zu der in Varanasi mit einer großen Menschenmenge gab es dort nur eine Handvoll Menschen.

Die Zeremonie war faszinierend. Gerade als die Sonne unterzugehen begann, standen einige heilige Männer am Wasser und summten ein Gebet. Zur gleichen Zeit führten sie mystische Rituale durch, darunter Blütenblätter, heiliger Rauch und Feuer. Diese Art von Momenten ist besonders und weit entfernt von dem, was wir zu Hause erleben. Allerdings fühlte sich dort zu sein, in diesem Moment, erstaunlich normal an.

Aarti Ritual im Varah Ghat
Aarti Ritual im Varah Ghat

Hochzeitssaison in Indien

Während unserer Reise durch Indien war dort Hochzeitssaison. Inzwischen hatten wir uns daran gewöhnt, dass die Straßen wegen einer Hochzeitsfeier blockiert waren, dass jeden Abend ein Feuerwerk stattfand (obwohl Feuerwerk mittlerweile in Indien verboten wurde) und dass bis spät in die Nacht Musik gespielt wurde. Wir haben sogar eine Hochzeit in Jaipur besucht. Aber keine der Partys, die wir gesehen oder gehört hatten, klang so verrückt wie die in Pushkar. Nachdem man einige Stunden lang die wahnsinnig schnelle, laute und chaotische Musik der Hochzeitsparaden auf den Straßen gehört hatte, fragte man sich, ob man gerade verrückt geworden ist und die Musik nur noch im Kopf ist. 

Wir haben folgten eine Zeit lang einer sehr lauten Hochzeitsparade. Die Menschen in prächtigen, glänzenden und bunten Outfits tanzen und hatten Spaß, eine Band spielte Blasinstrumente und Trommeln. Dahinter folgte ein Wagen mit einem Soundsystem und ein weiterer mit einem superlauten Generator, der die Lichterketten, die an den Schirmen hangen, die die Leute trugen, mit Strom versorgte. Und dann war da noch der Bräutigam, der auf einem prächtigen, glitzernden weißen Pferd ritt. Wir haben die Vorderseite der Parade nicht gesehen und daher auch nicht die Braut. Vielleicht wurde sie aber von einem magischen Flugsaurier oder etwas Ähnlichem transportiert.

Die verrückte Hochzeitsparade
Die verrückte Hochzeitsparade
Hier kommt der Bräutigam
Hier kommt der Bräutigam

Die kommerzielle Seite der Stadt

Abgesehen von der spirituellen Seite der Stadt ist der ganze Ort mit Touristen überfüllt und die Straßen werden durch Verkaufsstände dominiert. Die Anzahl der Stände, an denen Kunsthandwerk, Kleidung, Schmuck und andere Souvenirs verkauft werden, macht Pushkar nicht nur spirituell, sondern auch sehr kommerziell. Die Preise in Pushkar waren meist angemessen. Am Ende kauften wir auch ein paar Kleider und Souvenirs, aber zum Glück erlaubten uns die bescheidenen Ausmaße unserer Rucksäcke nicht, beim Einkaufen durchzudrehen.

Heilige Kühe, heilige Männer und viele Shops
Heilige Kühe, heilige Männer und viele Shops

Große Auswahl an vegetarischem Essen

Da Pushkar ein touristischer Ort ist, bietet es auch eine große Auswahl an Lebensmitteln, die selbstverständlich alle vegetarisch sind. Es war eine gute Gelegenheit, etwas Abwechslung vom indischen Essen zu bekommen (auch wenn wir es lieben). Im stimmungsvollen Garten von La Pizzeria gab es eine ausgezeichnete Pizza. Im Ganga Street Restaurant gab es gute Falafel-Wraps. Gegenüber gab es einen guten Ort zum Frühstücken mit frischen Fruchtsäften und riesigen Müsli- und Obstschalen. Ansonsten gibt es überall kleine Straßenstände, die leckere indische Snacks zu sehr günstigen Preisen anbieten.

Glückliche Touristin mit ihrer Pizza
Glückliche Touristin mit ihrer Pizza
Fruchtsaftstand
Fruchtsaftstand
Beim Essen eines der vielen indischen Snacks
Beim Essen eines der vielen indischen Snacks

Weiter Richtung Süden

Obwohl Pushkar ein netter Ort war, waren wir nach zwei Nächten bereit zur Abreise. Wir freuten uns auf eine lange Zugfahrt und die Ankunft im Süden, auch wenn wir noch nicht wussten, wo wir genau aussteigen würden...

Ähnliche Beiträge

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Johanna & Seri

Wir sind Johanna & Seri und das ist unser Reisetagebuch. Im Moment reisen wir über den Landweg von Finnland nach Indien und weiter. Mehr Infos findest du hier.

Folge uns auf Facebook: