Auszeit in Om Beach - Neue Freundschaften, alter Rum und Überraschungen

Om Beach, in der Nähe von Gokarna in Indien, ist ein besonderer Ort für uns. Vor knapp Zehn Jahren lernten wir uns dort kennen. Om Beach ist auch eine gute, entspanntere Alternative zu vielen Stränden in Goa. Daher sollte unser erster längerer Stopp auf dieser Reise dort stattfinden. Nach drei Monaten intensiven Reisens fühlte es sich an, als ob wir endlich Urlaub machen würden. Wir hatten nicht vor diesen Zustand rasch zu ändern.

Om Beach
Om Beach

Zugfahrt von Rajasthan nach Gokarna

Das System für die Zugreservierungen in Indien ist kompliziert und dieses Mal hatten wir bessere Chancen auf ein bestätigtes Ticket, wenn wir für unsere Reise von Rajasthan bis nach Kerala im Süden buchten. Wir planten allerdings nicht so weit zu fahren, sondern am Weg bei einem der Strandorte auszusteigen, wussten aber noch nicht genau wohin unsere Reise gehen sollte. Während der Fahrt entschieden wir uns Goa diesmal auszulassen und direkt zum entspannten Om Beach in Karnataka zu fahren.

Die Zugfahrt von Ajmer (nahe Pushkar) in Rajasthan nach Gokarna in Karnataka dauerte 33 Stunden. Im Gegensatz zu unseren letzten Zugfahrten in der Sleeper-Klasse, entschieden wir uns diesmal für die 3AC-Klasse. Diese war eine etwas komfortablere, aber dennoch sehr erschwingliche Option. Die Wagons wurden hin und wieder gereinigt und es gab Decken und Leintücher für die Nacht. Wir hatten eine nette Gruppe junger Inder als Nachbarn. Gelegentlich kam jemand durch den Wagon und verkaufte Getränke oder Essen.

3AC class
3AC class

Wie der Name schon sagt, ist die 3AC Klasse klimatisiert, so dass die Fenster verschlossen sind. Aber die Türen im Zwischenraum der Wagons sind offen, wodurch wir langsam spürten, wie die Luft draußen immer heißer und feuchter wurde. Die Fahrt verlief so reibungslos, dass wir gerne noch länger im Zug geblieben wären.

Die Zugtüren bleiben oft geöffnet
Die Zugtüren bleiben oft geöffnet

Alles beim Alten in Om Beach 

Wir waren über 1300 Kilometer Richtung Süden gefahren, als wir ausstiegen war das Klima tropisch. Wir fuhren mit einer Rikscha zum Strand und machten einen Zwischenstopp bei einem Alkoholladen, um eine Flasche Old Monk, einen indischen Rum, zu kaufen. Es gibt eine Handvoll Unterkünfte am Om Beach, die meisten davon befinden sich Nahe der rechten Ecke des Strandes. Wir schauten uns einige der Guesthouses an und beschlossen dann, wie auch schon die letzten Male, im Nirvana Guesthouse zu übernachten. Es gab dort einen schönen Garten wo wir endlich unsere eigene kleine Strandhütte mit einer gemütlichen Terrasse hatten.

Ankunft am Om Beach
Ankunft am Om Beach
Unsere nette kleine Hütte und der selbsternannte Hausmeister
Unsere nette kleine Hütte und der selbsternannte Hausmeister

Es war mein mittlerweile viertes Mal und das dritte Mal für Johanna am Om Beach. Das sagt etwas darüber aus, wie sehr es uns dort gefällt. Es ist erstaunlich, dass sich nach unserem letzten Besuch vor fünf Jahren und auch nach dem ersten Besuch vor über neun Jahren nicht besonders viel verändert hatte. Einige der Guesthouses wurden etwas ausgebaut, aber ansonsten war fast alles wie zuvor. Es gab eine Reihe anderer Reisender, darunter viele Israelis, die auch dort übernachteten, aber es war trotzdem nicht überlaufen. Auch gab es einige Leute, die Schmuck oder Stoffe verkauften, aber nicht aufdringlich waren. Mit vielen von ihnen hatten wir interessante Gespräche. Alle nutzten den gleichen Slogan: „Full power, twenty-four hour, no toilet, no shower”. Und dann gab es noch viele Kühe und Hunde, die auch Teil des ruhigen Strandlebens waren.

Die rechte Seite des Strandes, wo der großteil der Guesthouses ist
Die rechte Seite des Strandes, wo der großteil der Guesthouses ist
Joanna konnte nicht widerstehen ein paar Kleinigkeiten von diesen netten zwei Typen zu kaufen
Joanna konnte nicht widerstehen ein paar Kleinigkeiten von diesen netten zwei Typen zu kaufen
Beim schlafen am Strand, ist es besser manchmal aufzupassen
Beim schlafen am Strand, ist es besser manchmal aufzupassen

Entspannte Strandtage

Wir bewegten uns, abgesehen von der Distanz zwischen unserer Terrasse, dem Strand und ein paar Restaurants, nicht viel. Meistens lag Johanna am Strand während ich bis zum Nachmittag meine Zeit im Meer mit den Wellen verbrachte. Abends arbeiteten wir an unserem Blog oder tranken genüsslich Rum mit frisch gepresstem Fruchtsaft oder Kokosnusswasser. Zwischendurch genossen wir das leckere Essen, das es überall gab. Wir können nicht einmal zählen, wie viele Papaya-Lassis wir während unseres Aufenthalts getrunken haben, und Johanna wurde bald süchtig nach Nirvanas Aloo Gobi (Kartoffel- & Blumenkohl-Curry), das unglaublich gut war. Nach all den intensiven Reisen fühlte es sich gut an, einige Zeit an einem Ort zu bleiben und einfach nur zu genießen und zu entspannen.

Beim Reiten auf den Wellen
Beim Reiten auf den Wellen
Arbeiten am Blog auf unserer gemütlichen Terrasse
Arbeiten am Blog auf unserer gemütlichen Terrasse
Tropical fruit punch with a splash of Old Monk :-D
Kokoswasser mit Ananas und einen Schuss Old Monk

Neue Freundschaften

An einem unserer ersten Tage in Om Beach kam ein Deutscher mit einer ungewöhnlichen Frage zu uns. Da er bereits ausgecheckt hatte und im Begriff war, in eine andere Unterkunft am Strand umzuziehen, fragte er, ob er unser Zimmer für eine Stunde für ein Vorstellungsgespräch ausborgen konnte. Wir bereiteten das Zimmer vor und er zog einen Anzug an, den er in der nächstgrößeren Stadt geliehen hatte. Dann führte er über Skype sein Vorstellungsgespräch in unserer Hütte durch.

Bereit für das Bewerbungsgespräch! Unser Zimmer wirkt sehr professionell, solange man nicht mehr als die weiße Wand sieht
Bereit für das Bewerbungsgespräch! Unser Zimmer wirkt sehr professionell, solange man nicht mehr als die weiße Wand sieht

So lernten wir Mathis und Lena, eine Freundin von ihm, kennen. Wir hatten die nächsten Tage viele interessante Gespräche, lustige Momente und teilten mehrere Flaschen Old Monk. Lena ist Yogalehrerin, deshalb gab sie uns eines Morgens auch eine lange Yogasession. Beide wurden zu unseren Freunden und wir sind überzeugt, dass wir sie früher oder später wieder treffen werden (auch habe ich noch Mathis E-Reader, den er in Om-Beach vergessen hatte :-P).

Party mit Mathis und Old Monk - Lena war mittlerweile schon weiter gefahren
Party mit Mathis und Old Monk - Lena war mittlerweile schon weiter gefahren
Wundervoller Sonnenuntergang
Wundervoller Sonnenuntergang

Mystery

Das einzige, was unsere Ruhe in Om Beach störte, war ein ungebetener, rätselhafter Gast in unserer Hütte. Johanna hat eine kleine Stofftasche, in der sie ihr Seife- und Festshampoo aufbewahrt. Die Tasche hing an einem Haken in unserem Badezimmer, genau dort, wo die Strohdecke beginnt. Eines Abends fragte Johanna mich, warum ich die Tasche in die Decke gestopft hatte. Ich sagte ihr, dass ich unschuldig bin und wir fragten uns, ob Mathis es aus irgendeinem seltsamen Grund gewesen war. Wir nahmen die Tasche herunter, hängten sie wieder an den Haken und gingen schlafen.

Weiße Tasche in die Decke gezogen
Weiße Tasche in die Decke gezogen

Als die Tasche am nächsten Morgen wieder in die Decke gezogen war, lief uns ein kalter Schauer über den Rücken. Manchmal sprangen Affen auf unser Dach, so dass wir uns fragten, ob einer von ihnen seinen langen Arm durch das Dach hätte stecken und versuchen können, die Tasche zu greifen. Oder vielleicht war es auch eine Maus oder der sogar der rosa Frosch, der jeden Abend in unserem Badezimmer auftauchte.

Verdächtiger Nummer 1
Verdächtiger Nummer 1
Verdächtiger Nummer 3
Verdächtiger Nummer 3

Johanna war jedoch überzeugt, dass es entweder ein Geist oder eine riesige Spinne mit acht langen Beinen war. In der nächsten Nacht fanden wir heraus, dass es wahrscheinlich dieselbe Maus war, die sich nun an unserem Obstbeutel zu schaffen machte. Das Rätsel war gelöst, aber wenigstens hatten wir ein paar aufregende Momente während unserer ansonsten sehr friedlichen Tage am Strand. 

Verzögerte Abreise

Irgendwann hatten wir das Gefühl, dass wir genug von unserem Strandleben hatten. Wir dachten, dass wir nur fünf Nächte geblieben waren, aber als wir die Rechnung zahlen wollten, stellte sich heraus, dass es schon sieben waren. Zusätzlich fanden wir heraus, dass wir nicht mehr genug Bargeld hatten, um unsere Rechnung zu begleichen. In Om Beach gibt es keine Bankomaten. Daher mussten wir mit einer Rikscha in die Stadt fahren, um Geld zu holen, und da dies unseren letzten vollen Strandtag ruiniert hätte, beschlossen wir, einen Tag länger zu bleiben. Da wir nun sowieso in die Stadt fahren mussten, kauften wir wieder eine Flasche Old Monk. Nachdem wir einige Zeit in der Stadt herumgelaufen waren, feierten ein letztes Mal am Strand. Diesmal nur wir beide, denn Mathis und Lena waren davor schon weitergereist. Nach neun Nächten reisten wir schließlich auch weiter.

Letzten Endes schafften wir es tatsächlich weiterzufahren - Auf Wiedersehen Om Beach!
Letzten Endes schafften wir es tatsächlich weiterzufahren - Auf Wiedersehen Om Beach!

Gokarna-Stadt

Gokarna ist auch selbst schon eine interessante, kleine indische Stadt. Es gibt auch einen Strand in der Stadt, der allerdings bei weitem nicht so schön und entspannt wie Om Beach ist. Es gibt mehrere Tempel in der Stadt, und der ganze Ort fühlt sich sehr spirituell an. Kühe laufen langsam auf den Straßen herum und es gibt nicht allzu viel Verkehr. Es ist etwas touristisch, was bedeutet, dass man andere Reisende sieht und viele Souvenir- und Kleidergeschäfte findet, aber trotzdem fühlt sich die Stadt authentisch an. 

Gokarna-Stadt
Gokarna-Stadt
Einmal Chai für die Kuh in Schwarz, bitteeeee!!!
Einmal Chai für die Kuh in Schwarz, bitteeeee!!!

Am Tag unserer Abreise fuhren wir schon früher nach Gokarna-Stadt zurück und verbrachten dort einige Stunden vor unserer Busfahrt. Zum Sonnenuntergang spazierten wir zu einem kleinen, heiligen See (Kalyani). Als es dunkler wurde, begannen einige riesige Fledermäuse über uns zu kreisen. Es waren Dutzende von ihnen in der Größe von Möwen, was uns faszinierte.

Kalyani See
Kalyani See
A few of the numerous giant bats flying over us
A few of the numerous giant bats flying over us

Wir fanden auch neues ein großartiges südindisches Restaurant. Wir haben in unserem Leben schon viele Dosas (fermentierte Reismehl-Pfannkuchen mit verschiedenen Soßen) gegessen, aber selten waren sie so gut. Neben der klassischen Masala-Dosa bestellten wir eine Zwiebel-Dosa, die eine köstliche Überraschung war, fast wie ein veganes Omelett. Solltet ihr jemals in Gokarna-Stadt sein, esst bitte eine Dosa im Santrupti Pure Veg Restaurant für uns! Es befindet sich kurz vor dem Hauptstrand in der Straße, die dorthin führt.  

Verliebt in die Dosa
Verliebt in die Dosa
Großartige Onion Dosa
Großartige Onion Dosa

Die Reise geht weiter

Gegen zehn Uhr abends stiegen wir in einen Shuttlebus, der uns zum ersten indischen Nachtbus dieser Reise brachte. Unser nächstes Ziel war Hampi...

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