Von Indien nach Myanmar - Abenteuer über die Zokhawthar-Rihkhawdar Grenze

Von Aizawl, der Hauptstadt des nordostindischen Bundesstaates Mizoram, fuhren wir nach Champhai im gleichen Bundesstaat. Champhai war unser letztes Ziel in Indien, da es die letzte grössere Stadt vor der Grenze zu Myanmar ist. Wir überquerten die Grenze durch den Grenzposten Zokhawthar-Rihkhawdar, der erst vor kurzem für Ausländer geöffnet wurde. Daher konnten wir vorab fast keine Informationen finden. Vom wilden, wilden Osten Indiens in den wilden, wilden Westen Myanmars zu gelangen, war ein kleines Abenteuer.

Von Aizawl nach Champhai

Wie wir in unserem letzten Beitrag schrieben, gab es einige Probleme mit unserer Sumo-Taxi-Reservierung, aber wir schafften es trotzdem, unsere Reise in Richtung Champhai bereits vor 7 Uhr morgens zu beginnen. Die Fahrt dauerte etwa zehn Stunden mit einigen Pausen und einer Baustelle, bei der wir länger warten mussten. Die Zeit verging relativ schnell, da wir auf der Vorderbank des Sumo saßen und die nebligen Aussichten entlang der Strecke bestaunten. Angenehmerweise war auch die Straße größtenteils in einem guten Zustand.

Nebliges Mizoram
Nebliges Mizoram
Unterwegs sahen wir einige kleine Dörfer
Unterwegs sahen wir einige kleine Dörfer

Ruhiges Wochenende in Champhai

Die meisten Einwohner von Mizoram (und des Gebiets auf der anderen Seite der Grenze) sind Christen, was bedeutet, dass am Sonntag alles geschlossen hat. Auch die Grenze ist sonntags geschlossen und diesem Tag ist kein Verkehrsmittel in Betrieb, so dass wir, um die Grenze am Montag direkt überqueren zu können, am Samstag in Champhai ankommen mussten.

Wir übernachteten im Hotel Chawngthu, das eine der wenigen Möglichkeiten war, über das Wochenende in Champhai zu bleiben. Sogar das Hotel war sonntags offiziell geschlossen (wir durften aber den Seiteneingang nutzen), so dass der Sonntag wirklich kein guter Tag für die Ankunft in der Stadt sein würde.

Sonntags ist in Champhai alles geschlossen
Sonntags ist in Champhai alles geschlossen

Als wir am Samstag ankamen, hatten die Lokale bereits kurz zuvor geschlossen, so dass wir nicht einmal ein offenes Restaurant in Champhai finden konnten, abgesehen von dem in unserem Hotel. Am Sonntag bekamen wir ein Essen auf unser Zimmer serviert. Unsere erste traditionelle Mizo-Mahlzeit bestand aus einigen grünen Blättern in einer geschmacklosen Suppe und einem sehr dünnen Daal (Linsenbrei), so dass es uns nichts ausmachte, dass es auch unsere letzte Mizo-Mahlzeit war.

Unsere erste und letzte Mizo-Mahlzeit (und unser unordentliches Zimmer)
Unsere erste und letzte Mizo-Mahlzeit (und unser unordentliches Zimmer)

Wir sahen wirklich nicht viel in der Stadt, aber spazierten durch die leeren Straßen. Die Stadt fühlte sich gemütlich an und die Gegend war wunderschön, was wir vom Dach unseres Hotels aus gut sehen konnten. Obwohl Mizoram mehr oder weniger ein alkoholfreier Staat ist, ist es erlaubt, in der Gegend um Champhai Wein anzubauen. Wir hätten gerne das Weingut in Champhai besucht, aber es hatte leider auch geschlossen.

The view from our hotel's rooftop to the surrounding Champhai region
Der Blick vom Dach unseres Hotels auf die Gegend

Von Champhai bis Zokhawthar - Schlaglöcher und Blähungen

Wir begannen unsere Reise zur Grenze gleich nach Sonnenaufgang. Unser letzter Sonnenaufgang in Indien war wunderschön.

Letzter Sonnenaufgang in Indien (zumindest für eine Zeit)
Letzter Sonnenaufgang in Indien (zumindest für eine Zeit)

Wir wussten nicht wirklich, wo wir ein Sumo-Taxi von Champhai in Richtung Grenze finden konnten, aber zum Glück ist die Stadt sehr klein und wir fanden den richtigen Ort schnell. Zuerst sagten uns die Mitarbeiter beim Sumo-Stand, dass das erste Sumo-Taxi bereits voll sei und wir warten müssten, bis das nächste abfährt. Plötzlich beschlossen sie aber, dass wir auch einsteigen konnten, so dass wir 12 statt 10 Personen im Auto waren. Die Fahrt kostete 300 Rupien pro Person (Januar 2020).

Im Sumo in Richtung der Grenze zwischen Zokhawthar und Rihkhawdar
Im Sumo in Richtung der Grenze zwischen Zokhawthar und Rihkhawdar

Im Sumo saßen wir neben einem netten Typen. Trotz der Sprachbarriere, unterhielt er sich mit uns, bot uns etwas Paan an und lud uns in sein Dorf zu sich nach Hause ein. Seri nahm das Paan-Angebot an, aber leider mussten wir das andere Angebot ablehnen, da wir über die Grenze nach Myanmar wollten. Wir tauschten noch unsere Nummern aus - Wer weiß, vielleicht würde es uns eines Tages wieder in die Gegend verschlagen. Johanna beteiligte sich nicht allzu sehr an dem Gespräch, sondern hielt den Kopf halb aus dem Fenster - teils wegen der stinkenden Fürze unseres neuen Freunds (er erklärte, dass Paan seine Verdauung in Gang hält), teils damit ihr wegen der holprigen Straße nicht schlecht wird. Die kurvenreiche Schotterstraße, die von Champhai nach Zokhawthar führte, war in einem schlechten Zustand mit vielen Schlaglöchern.

Die Straße war nicht im besten Zustand, aber die Aussicht war großartig
Die Straße war nicht im besten Zustand, aber die Aussicht war großartig

Unterwegs machten wir einen Bet- und Klostop. Es ist in dieser Gegend üblich, das Auto zu bestimmten Zeiten anzuhalten, wenn ein Mitreisender im Auto, beginnt, das Gebet einzustimmen. Danach gibt es auch kurz Zeit hinter einen Busch zu gehen.

Stop zum Tanken
Stop zum Tanken

Von der Stadt Zokhawthar zur Grenze mit dem Motorrad-Taxi

Wie schon erwähnt, hatten wir nicht viele Informationen zum Grenzübertritt, bevor wir es probierten. Es war überraschend, dass das Sumo-Taxi uns nicht bis zur Grenze, sondern bis zu der Stadt Zokhawthar brachte. Dort mussten wir einen Transport zur Grenze finden. Wir heuerten zwei Motorradtaxis (100 Rupien pro Kopf) an. Die unbefestigte Straße war in so schlechtem Zustand, dass sogar unsere Fahrer darüber lachten und Scherze machten. Zum Glück schienen die jungen Fahrer geübt im Umgang mit den Straßenverhältnissen zu sein, so dass wir keine allzu große Angst hatten mit unserem Sack und Pack, hinten auf den Motorrädern zu sitzen.

Zokhawthar - auf der indischen Seite der Grenze

Der Grenzposten auf der indischen Seite war ein winziges Gebäude direkt neben einer Brücke die über den Grenzfluss führte. Auf der anderen Seite der Brücke wartete Myanmar auf uns.

Es schien völlig nutzlos zu sein, dass wir uns in Aizawl registriert hatten. Wie wir bereits vermutet hatten, kontrollierte niemand an der Grenze, ob wir es erledigt hatten. Es gab auch keine Computer, um unsere Informationen zu überprüfen oder einzutragen, sondern nur ein Buch, in dem alles handgeschrieben war. Wir füllten unsere Informationen selbst aus, eigentlich hätten wir dort auch einfach nur irgendwas reinschreiben können... Bevor wir die Ausreisestempel erhielten, wurden wir gebeten, den Ausdruck unserer E-Visa für Myanmar vorzulegen.   

Im Inneren des Grenzgebäudes torkelte ein betrunkener Mann umher, der irgendwann auf Johannas Rucksack fiel, der auf dem Boden lag. Auch hatte während unseres Ausreiseprozesses eine kleine Demonstration an der Grenze begonnen. Die Leute protestierten gegen etwas, aber wir verstanden nicht, was. Der freundliche Grenzbeamte führte uns durch die Menschenmenge und über die Brücke. Er trug sogar Johannas Rucksack!

Während unserer Ausreise, versammelte sich diese  Demonstration
Während unserer Ausreise, versammelte sich diese Demonstration
Grenzbeamte begleitet uns von Indien nach Myanmar
Grenzbeamte begleitet uns von Indien nach Myanmar

Rihkhawdar - auf der burmesischen Seite der Grenze

Auf der anderen Seite der Brücke wurden wir von einer Gruppe freundlicher burmesischer Grenzbeamter empfangen. Sie wiesen uns den Weg zum Migrationsbüro auf der linken Seite. Dort arbeitete ein netter junger Grenzbeamte unsere Dokumente durch und füllte unsere Informationen aus - diesmal sogar mit Computer.

Die Grenzstadt Rihkhawdar

Bevor wir die Grenzstadt verlassen konnten, mussten wir lokales Geld, Kyats, besorgen. Da es in Rihkhawthar keinen Bankomaten gab, hatten wir etwas indische Währung zum Umtauschen behalten. Niemand auf der Straße sprach Englisch, aber durch Herumfragen "rupeeeeeeee, kyaaaaaat" fanden wir rasch Unterstützung. Ein magerer, betrunkener Mann mit einem Motorradhelm am Kopf brachte uns schließlich in die Küche einer Frau die um die Ecke wohnte. Die Geschäftsfrau mit einem Baby auf dem Bauch wechselte uns Kyats zu einem sehr schlechten Kurs, aber dafür hatten wir nun zumindest genug Geld bis zu unserem nächsten Ziel.

Wie man von Rihkhawdhar nach Tedim kommt

Wir hatten keine Informationen über den Transport von der Grenze in die nächste "größere" Stadt, Tedim, finden können. Wir hatten also im Grunde keine Ahnung, wie es von hier aus weitergehen sollte. Auch der Grenzbeamter wusste es nicht, aber versuchte uns zu helfen. Nach einigen Telefonaten sagte er uns, dass ein Bus gegen vier Uhr abfahren würde. Das bedeutete, dass wir über fünf Stunden warten mussten, aber wir waren froh zu wissen, dass wir noch am selben Tag weiterfahren konnten. Gerade als wir gehen wollten, klingelte sein Telefon, und jemand sagte ihm, dass demnächst ein Pick-up Truck Richtung Tedim losfährt.

Unser Transport von Rihkhawdhar aus war ein großer Pick-up mit Holzbrettern als Sitze auf der Ladefläche. Beim Truck fanden wir einen Mann, der Englisch sprach, und uns erklärte, dass es montags keine regulären Busse gab.

Warten auf den Start des Pick-up

Der Grenzarbeiter hatte uns gesagt, dass der Preis etwa 10 000 Kyat (6,2 Euro) pro Person betragen würde (für einen Bus, nicht für einen Pick-up), aber beim Pick-Up verlangten sie 12 000. Wir fragten, ob 10 000 in Ordnung seien, und sie sagten ja. Zuerst dachten wir, dass Feilschen in Myanmar wirklich einfach wäre, aber später stellten wir fest, dass sie wahrscheinlich 12 000 für uns beide gemeint hatten, und überglücklich waren, dass wir ihnen 20 000 gaben😀

Tankstelle am Weg
Tankstelle am Weg

Ohne viel Vorinformation, hatten wir es also über die Grenze geschafft und waren schließlich auf dem Weg nach Tedim und damit tiefer in den Chin-State. Das hügelige und schöne Chin ist einer der am wenigsten entwickelten und am wenigsten bereisten Staaten in Myanmar. Daher war es nicht überraschend, dass es nicht der einfachste Ort war, um unsere Abenteuer in einem neuen Land und einer neuen Kultur zu beginnen...

We were covered with dust by the time we reached Tedim
Bis wir Tedim erreichten, hatten wir schon eine dicke Staubschicht

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5 thoughts on “Overland from India to Myanmar – our adventure over the Zokhawthar-Rihkhawdar border”

  1. I’m really enjoying your blog. We’re hoping to come this way next year, so your information and insights are very valuable. Thank you.

    1. Hi Jeanne, thanks for your comment! 🙂 It was so difficult to find any info about this border crossing before we did it, so we are really happy to hear that you found our post and that you found it helpful! This border crossing, and traveling in this area in general, was an adventure, in a good way. I hope you will get to experience it next year, too!

  2. Do you find any problem in communicate with other ?
    Your story are really interesting and joyful, You guys must visit again 😊 There are still many nice place to visit.
    Stay Safe, Stay Healthy 🌼

    1. Thanks for your comment Lalnunthari! 🙂 Yes, sometimes it was difficult to communicate with the others in these areas where English was not that widely spoken, as we couldn’t speak the local languages. But almost always, when it was needed, we could find someone who could speak English.And if not, it’s surprising how well body language can also work 🙂 Yes, we hope so too, that we could visit another time and explore these areas more! Are you from India or from Myanmar?

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Johanna & Seri

Wir sind Johanna & Seri und das ist unser Reisetagebuch. Im Moment reisen wir über den Landweg von Finnland nach Indien und weiter. Mehr Infos findest du hier.

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