Wagah Border: Von Pakistan nach Indien und eine absurde Zeremonie

Nach unserem letzten gemeinsamen Frühstück in Lahore kamen wir in Begleitung unseres Freundes Salman zurück zu unserem Hotel. Es war fast zwölf, Zeit zum Auschecken, Abschied nehmen und unsere Reise in Richtung Wagah Border, der Grenze zwischen Pakistan und Indien, zu beginnen. Johanna hat Indien schon zweimal und ich schon dreimal besucht. Aber es sollte das erste Mal sein, dass wir auf dem Landweg dorthin gelangen.

Mit dem Taxi zur Grenze

Der Weg von Lahore bis zur Wagah-Grenze beträgt rund 24 Kilometer. Uber war für uns der überzeugendste und günstigste (550 pakistanische Rupien = 3,2 Euro) Weg dorthin. Der Weg zur Grenze war reibungslos, da es Samstag Mittag war und der Verkehr ruhig war. Unser Fahrer war freundlich und recht gesprächig. Irgendwann erzählte er uns, wie schlecht und unhygienisch Streetfood ist. Wir fühlten uns ein wenig schuldig, da wir so viele Snacks auf der Straße gegessen hatten.

Freie Fahrt auf dem Weg zur Grenze
Freie Fahrt auf dem Weg zur Grenze

Ankunft am Wagah-Grenzübergang

Nach etwa einer halben Stunde kamen wir zum ersten Checkpoint, wo wir unsere Pässe herzeigen mussten. Beim zweiten wollten die Grenzbeamten unsere Rucksäcke sehen, aber wir mussten nicht viel auspacken. Es reichte, ihnen zu erklären, was sich darin befand.

Unser Fahrer musste anhalten und uns ein paar hundert Meter vor der Grenze auf einem Parkplatz absetzen. Sobald wir aus dem Auto ausstiegen, umkreisten uns einige Träger und boten ihre Dienste an. Es genügte zu sagen, dass wir unsere Sachen selber tragen können, damit sie uns in Ruhe lassen. Dann kam ein kleiner "Zug" auf dem Parkplatz an, gefüllt mit Passagieren, die von der Grenze kamen. Uns wurde gesagt, dass wir in den Zug einsteigen sollen und dass er kostenlos ist. 

Zur Fuß waren wir schneller als mit dem kleinen Zug
Zur Fuß waren wir schneller als mit dem kleinen Zug

Nachdem wir einige Zeit allein im Zug gesessen sind, wurde uns klar, dass wir vielleicht noch lange warten mussten, bis der Zug voll ist und losfährt. Johanna ging zu den Grenzbeamten und fragte, ob wir die paar hundert Meter bis zur Grenze auch gehen könnten. Sie gaben uns die Erlaubnis und wir gingen los. Auf den letzten Metern konnten wir mit einem der Träger unsere letzten pakistanischen Rupien gegen indische Rupien tauschen. Der Kurs war natürlich schlecht, aber es war nur ein kleiner Betrag. Für die Träger muss es ein lukratives Geschäft sein.

Noch schnell das letzte pakistanische Geld wechseln
Noch schnell das letzte pakistanische Geld wechseln
Rumposen vor der Grenze
Rumposen vor der Grenze

Über die pakistanische Grenze

Bevor wir das Zollgebäude betreten konnten, wurden unsere Pässe flüchtig kontrolliert. Wir waren die einzigen Reisenden vor Ort. Zuerst mussten wir unsere Rucksäcke vorzeigen, konnten aber wieder einmal, ohne auszupacken weitergehen. Dann kamen wir zu einem leeren Ausreiseschalter. Nach einigen Minuten tauchte ein freundlicher Beamter auf. Während er an unseren Ausreisestempeln arbeitete, unterhielten wir uns angeregt mit ihm. Am Ende fragte er uns, ob er uns ob wir ihn auf Facebook adden können und wir sind immer noch manchmal in Kontakt.

Der Beamte begleitete bis zum Toren Grenztor. Dort half er uns gute Fotos von der Grenzüberquerung zu machten auch gemeinsam noch ein paar Erinnerungsfotos.

Am Wagah Grenzposten
Am Wagah Grenzposten
Direkt vor der Einreise nach Indien
Direkt vor der Einreise nach Indien
Gemeinsam mit dem freundlichen Grenzbeamten
Gemeinsam mit dem freundlichen Grenzbeamten

An dem riesigen Metalltor war es Zeit, sich von Pakistan zu verabschieden. Die bewaffneten Wachen auf beiden Seiten öffneten das Tor für uns und wir huschten auf die indische Seite.

Einreise nach Indien
Einreise nach Indien

Auf der indischen Seite der Grenze

Wir gingen ein paar Meter, bevor wir zur ersten Passkontrolle kamen. Danach mussten wir in einen Bus einsteigen, der uns zum Zollgebäude bringen sollte. Da wir die einzigen Fahrgäste waren, dachten wir, dass wir vielleicht noch eine Ewigkeit warten müssten, bevor wir losfahren würden. Doch zu unserer Freude fuhr der Bus sofort los. 

Auch auf der indischen Seite war der ganze Vorgang schnell und unkompliziert. Wir mussten nur noch die Ankunftskarten und eine Erklärung für den Zoll ausfüllen. Unser Gepäck wurde gescannt, aber auch hier mussten wir nichts auspacken. Nach 20 Minuten hatten wir unsere indischen Einreisestempel und gingen aus dem Gebäude. Wir hatten es geschafft, von Finnland bis nach Indien auf dem Landweg zu gelangen! 

Unserer Erfahrung nach war die Überquerung der Grenze von Pakistan nach Indien in Wagah sehr einfach.

Die Wagah-Grenzzeremonie

Die wahrscheinlich einzigartigste Grenzparade der Welt
Die wahrscheinlich einzigartigste Grenzparade der Welt

Seit 1959 findet an der Wagah-Grenze täglich eine besondere Zeremonie statt. Die Zeremonie wird von den indischen und pakistanischen Grenzbeamten durchgeführt (und sogar die Grenzhunde nehmen teil. Beide führen ihre streng geplanten Choreografien, bestehend aus schnellen Manövern und dem Hochheben der Beine so hoch wie möglich, auf ihrer jeweiligen Seite der Grenze auf. Unterstützt wird das Ganze durch die brüllende Menge in einer fußballstadionähnlichen Atmosphäre.

Die Grenzbeamten waren erschreckend gut gedehnt
Die Grenzbeamten waren erschreckend gut gedehnt
Atmosphäre wie im Stadion
Atmosphäre wie im Stadion

Da die Zeremonie nach der Schließung der Grenze stattfindet, machten wir nach unserer Einreise nach Indien eine kleine Pause und saßen beim Taxistand. Danach machten wir uns auf den Rückweg, um uns das Spektakel anzusehen. 

Die Zeremonie an der Wagah-Grenze ist eine sehr beliebte Attraktion für die Touristen in der Gegend und die meisten kommen, um sie zu sehen, ohne die Grenze zu überqueren. Für Personen, die vor der Zeremonie über die Grenze kommen, ist es mit dem Gepäck ziemlich unangenehm. Aus Sicherheitsgründen ist sehr begrenzt, was man mitnehmen darf. Telefon, Kamera, Brieftasche, Snacks und Wasser sind in Ordnung, aber nur, wenn man es in einer Plastiktüte mit sich führt. Ansonsten sind Taschen nicht erlaubt.

Bevor wir wieder zum Grenzkorridor zurückkehrten, sagten uns die Wachen, dass wir unsere Rucksäcke bei einem der Imbisse an der Straße deponieren könnten. Da wir alle unsere Sachen in den Rucksäcken hatten, fühlte es sich nicht gut an, sie an irgendeinem beliebigen Essensstand zurückzulassen, es schien die einzige Möglichkeit zu sein, wenn wir die Zeremonie sehen wollten. Immerhin sagte uns ein Mitarbeiter, dass wir unsere Brieftaschen und wichtigen Dokumente mitnehmen sollen, was nicht das schlechteste Zeichen war. 

Als wir uns Richtung des "Stadions" an der Grenze bewegten, wurde es richtig voll. Es warteten tausende von Indern vor dem Einlass. In Pakistan mussten wir als Ausländer beim Besuch von Sehenswürdigkeiten immer das bis zu zehnfache des normalen Eintrittspreises bezahlen. Diesmal war der Eintritt frei und wir wieder mal privilegiert. Es gab noch eine weitere, leicht frequentierte Schlange für Ausländer und Leute mit reservierten Karten, so dass wir einfach durchgehen konnten.

Wir wurden mit vielen anderen Touristen im Ausländerblock untergebracht. Da wir in den letzten Wochen in Pakistan nicht viele "Westler" gesehen haben, fühlte es sich etwas seltsam an. 

Close-up vom indischen Publikum
Close-up vom indischen Publikum

Als die Parade begann, wurde es noch seltsamer. Auf unserer Seite der Grenze gab es nationalistische Chöre, die schrien ("Hindustan, zindabad!") und Kinder, die in Ekstase mit indischen Fahnen durch das Stadion rannten. Auf der anderen Seite schien es etwas friedlicher zu sein, aber wir konnten auch das Äquivalent zu den nationalistischen Rufen, "Pakistan, zindabad!" hören.

Die Kinder sind schon ganz aufgeregt
Die Kinder sind schon ganz aufgeregt

Dann kam das Grenzpersonal. Schließlich marschierten die Soldaten mit den großen Schnurrbärten ein und hoben die Beine so hoch wie sie konnten (und oh, sie konnten!). Mit ihren speziellen Hüten, die mit großen Federn verziert waren, erinnerten sie an Pfauen. In etwa dasselbe geschah zeitgleich auf der pakistanischen Seite.

Security kommen in die Manege
Security kommen in die Manege
Diese Hunde haben wir schon während unserer Einreise kennen gelernt
Diese Hunde haben wir schon während unserer Einreise kennen gelernt
Hereinspaziert!
Hereinspaziert!
Die Choreographie war beeindruckend
Die Choreographie war beeindruckend
India vs Pakistan
India vs Pakistan

Während das ganze Geschehen ziemlich nationalistisch war und den Konflikt zwischen den beiden Ländern zeigte, wirkte es durch die enge Abstimmung auch gleichzeitig verbindend und zeigte die Gemeinsamkeiten der Nationen auf beiden Seiten der Grenze. Das Spektakel endet mit dem Senken der Flaggen der Nationen und mit dem Handschlag zwischen einem indischen und pakistanischen Soldaten.

Wer bekommt das Bein höher rauf?
Wer bekommt das Bein höher rauf?
Der Handschlag
Der Handschlag
Beide Nationen lassen zeitgleich die Fahnen runter
Beide Nationen lassen zeitgleich die Fahnen runter

Aufbruch nach Amritsar

Als die Grenzzeremonie sich dem Ende näherte, standen alle auf und begannen sich in Richtung der Tore zu bewegen. Es fühlte sich an wie der Versuch, nach dem letzten Konzert des Abends aus einem Festival herauszukommen. Nach einer Weile schafften wir es zurück zum Imbiss und bekamen gegen eine kleine Kaution glücklicherweise unsere Rucksäcke (unangerührt) zurück.

Da wir nur noch 150 indische Rupien (1,8 Euro) hatten, versuchten wir im Chaos einen Bankomaten zu finden. Schließlich fanden wir einen, aber er funktionierte mit keiner unserer vier Bankkarten. Eine Mitfahrgelegenheit nach Amritsar zu finden, war mit diesem Betrag nicht einfach, aber zum Glück hat sich ein Rikschafahrer bereit erklärt, uns zu unserem Homestay zu bringen. Wir sprangen auf die Rückseite der vollgepackten Rikscha. Wir fühlten uns glücklich, saßen dort, die Beine halb aus dem Fahrzeug hängend, an dem warmen Abend mitten im indischen Verkehr. Der Weg war länger als gedacht, aber nach 40 Minuten erreichten wir die Unterkunft. Nachdem wir unsere Gastgeber begrüßt hatten, erzählten sie uns, dass sie eine schlechte Nachricht hatten...

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2 thoughts on “Wagah Border: from Pakistan to India and an absurd ceremony”

  1. Tämä olisi kyllä näkemisen arvoinen asia. Toinen on Republic Day Parade New Delhissä 26.1.

    Pankkikortteja kannattaa Intiassa olla mukana kahdeltakin eri pankilta, sillä usein on käynyt niin, ettei esim. visa electron toimi mutta master card pelaakin jne. Lisäksi on vielä automaatit paikallisille ja kansainvälisille korteille erikseen. Turvallista matkantekoa!

    1. Enpäs ollut tuosta Republic Day -paraatista kuullutkaan, mutta se jääköön sit ehkä ens kerralle, kiitos vinkistä! 😀 Joo voin vahvistaa ton pankkikorttiasian todellakin, vaikkakin Intiassa rahan saaminen automaatista on silti helppoa Pakistaniin verrattuna. Siellä piti oikeasti käydä n. kuudella automaatilla neljän kortin kanssa koettamassa onneaan ennen kuin sai rahaa ulos automaatista.

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Johanna & Seri

Wir sind Johanna & Seri und das ist unser Reisetagebuch. Im Moment reisen wir über den Landweg von Finnland nach Indien und weiter. Mehr Infos findest du hier.

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