Tashkurgan – Am Rande von Xinjiang

Tashkurgan ist die letzte chinesische Stadt vor dem Khunjerab-Pass, der nach Pakistan führt. Auch die Grenze zu Tadschikistan ist in der Nähe. Daher sind die meisten Einwohner von Tashkurgan Tadschiken, während die meisten Hotels von Chinesen und einige Restaurants auch von Pakistanis betrieben werden. Die Mischung von Kulturen ist interessant und die Stadt ist von schönen Bergen umgeben. Trotzdem haben wir es nicht nur genossen, dort zu sein. Wir mussten drei Nächte in Tashkurgan verbringen, bevor die Grenze nach dem Wochenende wieder geöffnet war. Zu diesem Zeitpunkt waren wir mehr als bereit Xinjiang zu verlassen...

Unterwegs von Kashgar nach Tashkurgan

Um einen Bus von Kashgar nach Tashkurgan zu bekommen, wurde uns gesagt, dass wir früh am Busbahnhof sein sollten. Wir verließen unser Hostel vor 8:00 (Peking Zeit), das heißt vor sieben Ortszeit. Es war dunkel, kalt und die Stadt schien noch zu schlafen. Als wir endlich ein Taxi fanden, dass uns mitnimmt, brachte es uns zu einem Ort, der auch als „Ort für die Tashkurgan-Busse“ in unseren Karten markiert war. Dennoch stellte sich heraus, dass es der falsche Ort war.

Der falsche Ort an dem wir warteten
Der falsche Ort an dem wir warteten

Nachdem wir über eine Stunde gewartet hatten, kam ein Mann (dem wir zuerst sehr misstrauten) zu uns und lotste uns zum richtigen Ort, dem West Bus Terminal. Wir mussten noch zwei Stunden warten, bis der Kleinbus voll und somit abfahrbereit war. Dann waren wir endlich auf dem Karakorum Highway und unterwegs nach Tashkurgan!

Gleich nachdem wir am Karakorum Highway waren konnten wir die großen Bergketten sehen
Gleich nachdem wir am Karakorum Highway waren konnten wir die großen Bergketten sehen

Unterwegs hatten wir eine sehr chaotische Kontrolle an einem großen Checkpoint. In der Warteschlange gab es mehrere chinesische Touristengruppen, die sich versuchten, vorbeizudrängeln. Mit beharrlichem Anstehen und dem Einsatz von Knien und Ellbogen schafften wir es den Checkpoint in einer halben Stunde zu passieren.

Stau vor dem Checkpoint
Stau vor dem Checkpoint

Es fahren auch viele chinesische Touristengruppen, die nicht beabsichtigen nach Pakistan zu reisen, nach Tashkurgan, nur um die beeindruckende Landschaft dort und auf dem Weg zu sehen. Durchaus nachvollziehbar, denn nachdem wir auf dem Karakorum Highway waren, fuhren wir bald durch spektakuläre Berglandschaften. Auch kamen wir am Karakul See vorbei, der für viele Reisende eines der Highlights in Xinjiang ist und sahen Yaks (die immer ein Highlight für Johanna sind).

Der Karakul See
Der Karakul See
Yaks <3
Yaks <3

Harte Zeit im chinesischen Hostel

Auf dem großen Parkplatz vor dem K2 Hotel war immer was los
Auf dem großen Parkplatz vor dem K2 Hotel war immer was los

Wir kamen in Taschkurgan an und stiegen im K2 International Youth Hostel ab, der einzigen (zumindest Budget) Option für Ausländer in der Stadt. Das K2 Hostel war in Vergleich zu unseren sonstigen Unterkünften riesig, aber trotzdem ausgebucht. Glücklicherweise war unsere taiwanesische Freundin Eva einen Tag vor uns nach Taskurgan gereist und hatte dort netterweise zwei Betten für uns reserviert. Leider waren die einzigen verfügbaren Betten in männlichen und weiblichen Schlafsälen, so dass wir für die erste Nacht getrennt verbringen mussten. 

Johanna und ich hatten beide mit dem Verhalten unserer neuen, leider rücksichtslosen chinesischen Mitbewohner und Mitbewohnerinnen zu kämpfen. Zum Beispiel begannen sie ihre Tee-Partys im Schlafsaal vor 6:00 morgens, unterhielten sich laut und spukten auf den Boden. Als sie schließlich eine Stunde später gingen, ließen sie natürlich das Licht an und die Tür offen.

Die nächsten zwei Nächte hatten wir unser eigenes Zimmer, aber trotzdem sind uns die chinesischen Reisegruppen wirklich auf die Nerven gegangen. Die Leute schrien durch die Gänge, zogen vor allem morgens ihren Schleim übermäßig laut auf und spuckten ihn ebenso lautstark wieder aus. Da wir die einzigen Europäer in der Herberge waren, fühlten wir uns wie eine Attraktion. Die Leute schauten zu, was wir taten und wollten Fotos von uns machen. Der Tiefpunkt war am Morgen nach der Nacht im Schlafsaal, als wir beide vollkommen fertig waren. Wir saßen im Gemeinschaftsraum und stritten gerade miteinander, während wir gleichzeitig versuchten für die Kameras, die uns immer wieder vors Gesicht gehalten wurden, zu lächeln.

Die Menschen, die unseren Aufenthalt bereichert haben

Ansonsten war der Gemeinschaftsbereich der Herberge ein schöner Ort zum Abhängen. Wir konnten noch etwas Zeit mit Eva verbringen, bevor sie nach unserem ersten Abend nach Kashgar zurückkehrte. Auch lernten wir Manuel aus Deutschland kennen, der irgendwann von der pakistanischen Grenze kam und verbrachten einen Tag mit ihm, bevor er nach Kashgar weiterfuhr. Es gab auch eine Gruppe von drei pakistanischen Geschäftsmännern, die ebenfalls darauf warteten, am Montag, nach einer Geschäftsreise in China, zurückzufahren. Wir waren alle Ausländer in China die nicht chinesisch sprachen und den gleichen Bus über die Grenze nehmen wollten. Daher dauerte es nicht lange, bis sie wir von den Pakistanis „adoptiert“ wurden.

Mit der Pakistani Gang
Mit der Pakistani Gang
Beim Pool spielen (und abloosen) im Hostel
Beim Pool spielen (und abloosen) im Hostel

Vegetarisches Essen in Tashkurgan

Die meisten Restaurants rund um unser Hotel servierten chinesische Küche (keine Überraschung in China). Da Johanna noch immer traumatisiert von ihrer Lebensmittelvergiftung war und chinesisches Essen vermeiden wollte und die Kommunikation in den chinesischen Restaurants für uns schwierig war, aßen wir zweimal in einem pakistanischen Café. Dort bekamen wir einen ersten Vorgeschmack auf die pakistanische Küche. Es war es viel einfacher, mit den Pakistanis zu kommunizieren, da sie auch englisch sprachen und vegetarisches Essen für sie ein nachvollziehbares Konzept war. Manchmal kauften wir auch frisches Nan-Brot von den tadschikischen Bäckereien und aßen es mit Gemüse. Natürlich aßen wir auch trotzdem chinesisches Essen, wie gebratenes Gemüse mit Knoblauch und Reis.

Sightseeing in Tashkurgan

Weil wir nicht gut schliefen, waren wir die meiste Zeit in Tashkurgan schlecht gelaunt und hatten nicht viel Spaß, dort zu sein. Wir dachten, dass die schönen Berge rund um diese ansonsten düstere Stadt so ziemlich das einzige waren, was wir dort mochten. Da wir in Xinjiang waren, war auch Tashkurgan stark überwacht. Daher war auch einfach losskaten keine Option, außerhalb des Stadtzentrums kamen gleich die ersten Checkpoints. Aber wir besuchten zwei der wenigen Sehenswürdigkeiten, die die Stadt zu bieten hat, welche ganz nett waren.

Eine der Sehenswürdigkeiten war die Ruine einer alten Festung. Eine weitere waren Holzstege durch die Feuchtgebiete daneben. Irgendwie fühlte es sich an, wie ein Besuch in einem verlassenen Vergnügungspark, da es an diesem Tag keine chinesischen Reisegruppen gab. Wir mussten nicht einmal für Eintritt bezahlen, da wir von einem der Schleichwege kamen. 

Die „Stone Fortress“ Ruine
Die „Stone Fortress“ Ruine
Holzstege durch die Feuchtgebiete
Holzstege durch die Feuchtgebiete

Die neu gepflasterten, breiten und leeren Straßen zwischen den Sehenswürdigkeiten waren beeindruckend. Wir beschlossen, am nächsten Tag mit unseren Skateboards wiederzukommen, um dort herumzufahren. Dieses Mal aus kamen wir aus einer anderen Richtung und die Wächter verlangten Eintritt, wenn wir weiterfahren wollten, daher ließen wir es bleiben.

Perfekte Straße zum Skaten
Perfekte Straße zum Skaten

Letzte Erledigungen vor der Abreise nach Pakistan

In Tashkurgan mussten wir auch noch einiges erledigen, bevor es weiter nach Pakistan ging.

Da wir gehört hatten, dass es vor der größeren Stadt Gilgit, keine Bankomaten auf der pakistanischen Seite des Karakorum Highways gab, dachten wir, dass wir einige pakistanische Rupies wechseln müssen. Auf der Suche nach einer Möglichkeit Geld zu Wechseln besuchten wir einige pakistanische Shops, die uns einen schlechten Wechselkurs anboten. Dort erfuhren wir allerdings, dass es mehrere Geldautomaten im Norden Pakistans geben sollte. Die ersten waren direkt in der pakistanischen Grenzstadt Sost. Letztendlich haben wir daher kein Geld gewechselt, sondern nur etwas zusätzliche Yuan, für den Notfall abgehoben. 

Auch wollte Johanna noch eine Postkarte für ihre Mutter abschicken, daher gingen wir zur Post. Dort schauten sich die Angestellten eine Weile die Postkarte an und sagten dann: „No!“. Anscheinend war es nicht möglich, eine Postkarte von einer chinesischen Postfiliale zu verschicken...

Wir hatten gelesen, dass wir die Bustickets nach Sost, Pakistan nur am Tag der Reise kaufen können. Überraschenderweise kam unser neuer pakistanischer Freund Umar am Abend vor der Abreise zu uns, um uns sein Ticket zu zeigen, das bereits gekauft hatte. Er hatte den Sitzplatz Nummer 1, auf den er besonders stolz war. Es stellte sich heraus, dass es den drei Pakistanis bereits am Nachmittag gelungen war, die Tickets zu kaufen. Wir gerieten in Panik, da wir wussten, dass es nur einen Bus pro Tag, mit begrenzten Sitzplätzen, gibt und wir wollten direkt am Montag China verlassen. Ich fragte, wo sie die Tickets gekauft hatten und Umar bot an, mich dorthin zu begleiten.

Zehn Minuten später war ich auf dem Weg zum Busbahnhof, begleitet von der gesamten pakistanischen Gruppe. Es stellte sich heraus, dass Sie die Tickets in der Busstation gekauft hatten, obwohl der Bus, ein paar Kilometer weiter entfernt, vom Zollgebäude abfährt. Der Bahnhofswächter weigerte sich, die Türen zu öffnen und sagte mir, ich soll am nächsten Morgen um 9 Uhr wiederkommen. Danach luden mich unsere gastfreundlichen neuen Freunde auf Chai und Essen ins pakistanische Café ein.

Am nächsten Morgen standen wir schon um kurz vor neun vor den Toren des Busbahnhofs, um sicherzustellen, dass wir am selben Tag das Land verlassen können. Allerdings lief nicht alles wie geplant ab.

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