Kashgar: Auf der Seidenstraße in Xinjiang

Das können wir nur bestätigen, als einer der großen Handel- und Knotenpunkte der alten Seidenstraße war Kashgar ein faszinierender Ort für einen Besuch. Allerdings lässt ist ein Besuch in Kashgar und dem Überwachungsstaat der autonomen Region Xinjiang nicht möglich, ohne über die politische Situation dort nachzudenken. Wir ersparen uns in diesem Blog weitere Ausführungen – googelt einfach (außer ihr seid in China wo alle Google Dienste blockiert sind).

Die Unterkunft unserer „Wahl“

Da Xinjiang ein Überwachungsstaat mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit ist, ist auch das Angebot an Unterkünften stark beschränkt. Nicht-Chinesen dürfen offiziell in 3 Unterkünften in der Stadt übernachten, wobei eine während unseres Besuchs bereits in Winterpause war. Daher viel unsere Wahl auf das Kashi Maitian Youth Hostel. Das Check-in dauerte, über eine halbe Stunde, da das Personal kaum englisch sprach und sehr verplant wirkte. In der Lobby fand eine angeheiterte Geburtstagsparty statt, an der sich auch der Security und das Personal beteiligten. Leider waren wir von der Grenzüberquerung und der Suche nach dem Hotel zu erschöpft, um mitzufeiern. ..

Unsere Eindrücke von Kashgar

In Kashgar gibt es alle paar Meter Überwachungskameras, Polizeistationen an fast jeder Ecke und patrouillierende Polizisten in Kampfmontur an vielen Orten. Abgesehen von der politischen Situation und dem Überwachungsstaat orwellschen Ausmaßes, war Kashgar trotzdem eine gute Stadt für Touristen und Reisende, die eine kurze Verschnaufpause brauchen. Die Altstadt war ein, obwohl überraschend touristischer, angenehmer Ort. Die Gebäude im Stil der alten Seidenstraße offenbarten uns ein komplett anderes China, als wir es von unseren vorhergehenden Reisen im Osten des Landes kannten.

Die Altstadt
“Young“ man in the Old Town
“Young“ man in the Old Town

Außerhalb der Altstadt fühlte sich alles mehr „chinesisch“ an. Rote Laternen, futuristisch beleuchtete hohe Häuser und unzählige Menschen die auf ihren E-Scootern durch die Gassen flitzen. Nachdem wir mehrere Wochen in Zentralasien verbracht hatten fühlte sich hier alles aufregend und neu an. Daher beschlossen wir auch gleich am ersten Tag unseren Aufenthalt um ein paar Tage zu verlängern. 

Polizisten beim Abendspaziergang mit Helm, Schild und Speer
Polizisten beim Abendspaziergang mit Helm, Schild und Speer

Der Nachtmarkt, vegetarisches Essen und Drinks

 Der Nachtmarkt in der Altstadt
Der Nachtmarkt in der Altstadt

Wenn es dunkel wird, verwandelt sich ein Teil der Altstadt zum Nachtmarkt mit einer großen Anzahl an Essensständen. Es gab viel Uiguren-Streetfood, dass Ähnlichkeiten mit dem zentralasiatischen Essen aufweist.

Ein alter Mann bereitet Desserts auch Klebreis, Joghurt und Honig zu
Ein alter Mann bereitet Desserts auch Klebreis, Joghurt und Honig zu
Lokales Maisbrot
Lokales Maisbrot

An unserem ersten Abend in Kashgar, war unsere einzige Mission vegetarisches Essen zu finden. Im Hostel lernten wir eine Taiwanesin, Eva und die Chinesin Honey kennen, die mit uns zum Nachtmarkt gingen. Eva half uns vegetarisches Essen zu finden da sie sowohl chinesisch als auch englisch sprach. Zu unserer großen Freunde zeigte sie uns ein Gericht, das eine Variation von Ashlan-Fu war, dass wir schon in Kirgisistan sehr mochten. .

Der wundervolle Ashlan-Fu Stand
Der wundervolle Ashlan-Fu Stand
Schaut anders als in Kirgisistan aus, oder?
Schaut anders als in Kirgisistan aus, oder?

Die Variante in Kashgar war weniger suppig und beinhaltete mehr Gemüse – wir mochten sie daher noch mehr. Da es eines der wenigen vegetarischen Gerichte in Kashgar war, aßen wir es fast jeden Tag, bis Johanna eine leichte Lebensmittelvergiftung bekam und einen Tag im Hostel bleiben musste. Danach verweigerte sie jegliche Form chinesischen Essens.

Beim produzieren von Lagman Nudeln
Beim produzieren von Lagman Nudeln
Die Straßen sind voll mit Garküchen
Die Straßen sind voll mit Garküchen

Auch fanden wir eine neue leckere Frucht in Kashgar, Jujube. Die kleinen braun-grünen Früchte schauen nicht besonders aus, sind aber ein bisschen wie kleine sehr süße Äpfel. Johanna aß an einem Abend ein halbes Kilo davon. Wenn es nicht die Ashlan-Fu Variation gewesen ist, die ihr Magenprobleme bereitet hatte, war es wahrscheinlich die Überdosis Jujube (ähnliches passierte schon einmal in Vietnam mit Lychees).

Ist eine Überdosierung von Jujube möglich? Dr. Google gab uns keine klare Antwort
Ist eine Überdosierung von Jujube möglich? Dr. Google gab uns keine klare Antwort

Der wahrscheinlich touristische Ort, den wir in der Altstadt besuchten, war das 100 Jahre alte Teehaus. Während wir genüsslich den überteuerten Tee (wieder Jujube) schlürften, am knusprigen Nan-Brot knabberten und der traditionellen Livemusik lauschten, fühlten wir uns kurz in die Zeit der alten Seidenstraße zurückversetzt. Der Moment hielt nur kurz an bis wir den lauten chinesischen Touristen um uns Aufmerksamkeit schenkten, die alles mit ihren Smartphones und Kameras mit riesigen Objektiven katalogisierten.

Jujube-Tee, Nan und riesige Zuckerkristalle
Jujube-Tee, Nan und riesige Zuckerkristalle
 Beim Trinken von gesundem Tee...
Beim Trinken von gesundem Tee...

Abseits von Tee tranken wir auch Bier in Kashgar, da es einige gemütliche Bars in der Altstadt gab. Auf der Terrasse sitzend mit einem Bier in der Hand fühlten wir uns richtig in Urlaubsstimmung. 

...und gesundem Bier!
...und gesundem Bier!

Aktivitäten außerhalb der Altstadt

Obwohl die Altstadt nicht sehr groß ist, kann man sehr viel Zeit damit verbringen dort herumzuschleichen, die vielen kleinen Gassen zu erkunden und die alten Gebäude zu bewundern.

 Die friedlichen Gassen der Altstadt boten viel Platz zum rumcruisen
Die friedlichen Gassen der Altstadt boten viel Platz zum rumcruisen

Es gibt aber auch einiges abseits der Altstadt in Kashgar zu tun.

Natürlich besuchten wir wieder einen Bazaar. Einen Bazaar in Kashgar zu besuchen, fühlte sich besonders an, da die Stadt schon vor hunderten Jahren ein wichtiger Handelspunkt war. Wir verbrachten mehrere Stunden damit durch die Gänge zu irren, kauften aber nichts.

Einen kompletten Gegenpol zur Altstadt bildete der Donghu Park, der teilweise auf Stegen über einem kleinen See errichtet ist. Im ganzen Park finden sich beleuchtete Dekorationen und Formen, die durch riesige sich wiederholende Projektionen auf den umliegenden Häusern ergänzt werden. Das Ganze schaut besonders großartig aus, wenn es im Dunklen im Wasser des Sees reflektiert. Der Besuch des Donghu Parks ist kostenlos. Der Eingang befindet sich direkt gegenüber vom Kashi Maitian Hotel.

 Der Donghu Park
Der Donghu Park

In Kirgisistan hatten wir eine Pause vom Skaten, daher waren wir umso erfreuter, dass die Straßen in Kashar vorzüglich dafür geeignet waren. Wir hatten viel Spaß dabei durch die Straßen zwischen all den E-Scootern zu cruisen. Von den überraschten Blicken der Leute zu Urteilen gibt es kaum Skateboarder in Kashgar und nicht einmal die Polizei beschwerte sich darüber, dass wir in der Altstadt fuhren.

 Johanna and the e-scooters vs. ...
Johanna und die E-Scooter vs. ...
 Seri und die E-Scooter
Seri und die E-Scooter

Nach vier Nächten verließen wir Kashgar und starteten unsere Reise am legendären Karakorum Highway. Unser nächstes Ziel war Tashkurgan – die letzte Stadt vor der pakistanischen Grenze.

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4 thoughts on “Kashgar: Silk Road vibes in Xinjiang”

  1. Loving reading this blog so far – keep up the good work! Was great to meet you in Amritsar & sorry I didn’t get to say goodbye, Isla x

    1. Hi Isla! Thanks so much for your comment – we‘re happy to hear that you like our blog! 🙂 Enjoy the rest of your time in India!

  2. For your information, the Kashgar “Old Town” has been fully reconstructed at the beginning of the 2010s. Not that bad but not historic. A Uighur park for han tourists: night market was full End of September 2018.

    By now, the most historical place in Kashgar is probably the Abakh Khoja mausolee.

    In September 2018, some Maitian Youth Hostel attendants were speaking acceptable English. Enough for providing back-up solutions to railway transportation.

    Fabrice

    1. Hi FabGreg and thanks for your comment! We knew that most of the “old town” was built new, but we actually thought that a part of it was still old. But you are absolutely right – all the real old buildings are outside of the Old Town… We saw some of them too. Now that we read this post again, it surprised us that we hadn’t written anything about the fact that we also had the feeling that the “Old Town” is some kind of Silk Road Disney Land, in a sense that it definitely felt like something that was built just to amuse tourists. Nevertheless, we found the area very beautiful, and the smaller alleys further from the “main streets” still managed to have some old flare.

      We understood that many of the hotel workers come through Workaway (or a similar program). Therefore it probably depends on the day/week if there’s someone who speaks English or not. But we are not sure if the problem with our check-in was because of the language barrier or just because of the workers being confused. Nevertheless, they were very friendly, at least.

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